Um gleich von Anfang an alle Klarheiten zu beseitigen: Ich fahre BMW.

Und gleich ne Werbung für ne gute Sache hinterher:

Vorgeschichte

Meine Neigung zu den "Gummikühen" fing eigentlich erst spät, so mit 20 Jahren an. Besonders die Reparaturfreundlichkeit des Boxermotors imponiert mir an den "alten" BMW's. Meinen Motorradführerschein, den 1er, hab ich erst mit 25 gemacht. Ein eigenes Motorrad hab ich mir auch nicht gleich gekauft. Aber dann kam der Herbst '95. Da spielte ein Kumpel von mir, der "Schwello" mit dem Gedanken sich wieder eine Maschine zuzulegen. Seine eigene Moto Guzzi V7 Sport (ex. Policia-Version) wurde ihm, zusammen mit seinem linken Bein, von einem Dosenfahrer ohne Vorfahrt zerschrottet. Und weil der gerade erst nach einem Jahr wieder Gesundete seiner Mutter nicht beibringen wollte, daß er sich wieder eine Neue kauft, mußte ein Strohmann für den Kauf herhalten.

Und das war ich. Der Libby.

Motorradkauf

Ein geeignetes Motorrad war im November gefunden. Ein Bekannter vom Schwello wollte seine BMW R75/6 verkaufen. Nach einer ersten Besichtigung, mussten wir uns eingestehen, daß der Zustand wenig berauschend war. Seit zwei Jahren abgemeldet und ohne Schutz und Pflege in einer Scheune untergestellt. Staubig wie Harry. Der Sitz von Katzenkrallen gepunktet. (Anm.: Ich hasse Katzen) Keine Batterie mehr. Na Ja.

Also. Zweiter Besuch. Mit Werkzeug und Batterie und allen möglichen Utensilien brachten wir (der Schwello und Ich) die Kuh endlich (nach zwei Stunden) zum Laufen. Also gleich Kaufvertrag gemacht und Preis ausgehandelt. 2000 DM für eine R75/6 ist gar nicht so schlecht.

Dann Abholen der Kiste. Mit einem geliehenen Anhänger und mit Hilfe eines weiteren Freundes mit Anhängerkupplung am Auto gings nach Hause. Hurra, das erste "eigene" Motorrad.

Restaurieren

Wie schon gesagt, die R75/6 war etwas lädiert. Deshalb wurde sie noch im Dezember 1995 komplett zerlegt. Bis auf den Motor, der zusammen. Der Rahmen und alle Anbauteile wurden mit schwarzem Kunststoff beschichtet. Tip für Nachahmer: Typenschild abnehmen. Durch die Hitze bei der Beschichtung hat das Alublech die Form verloren. Erst zwei Jahre später bekam ich einen passenden Ersatz. Der Lichtmaschinendeckel, die Anlasserhaube und der Luftfilterkasten liessen wir verchromen. Im März 1996 gingen wir wieder an den Zusammenbau. Das konnten wir glücklicherweise in der Werkstatt der FFW Hambach machen. Ein Großteil meiner Arbeit bestand darin einen völlig neuen Kabelbaum zu stricken. Der Alte war zu nichts mehr zu gebrauchen. Mit einer guten Vorplanung, Schaltplan und ca. 250 DM für Kabel und Schrumpfschlauch war das glücklicherweise bald erledigt. Nach und nach gewann das Motorrad wieder die Form. Nach 1 1/2 Wochen Schrauberei war der große Augenblick da. Die Alte Kuh sprang sofort an.

Anmelden beim TÜV

Nachdem wir noch keine Erfahrung mit einer Vollabnahme nach 21 STVO hatten fuhren wir die Kuh im März auf einem Anhänger zum TÜV in Schweinfurt. Dort wurde sie von einem jüngeren Prüfer begutachtet. Dieser bemängelte dann das fehlende Typenschild und den nicht selbsttätig hochklappenden Hauptständer. Heute weiß ich daß der Hauptständer bei einem Oldtimer Baujahr 1976 nicht hochklappen muß. Bei späteren TÜV-Terminen lernte ich dann den H. Wörner kennen. Kompetent und freundlich, weil selbst Motorradfahrer und Sammler von Oldtimern.

Unfall

Kurze Zeit nach dem TÜV-Termin fuhr ich mal kurz bei Motorrad Witzel vorbei. Das ist der nächste BMW-Motorrad-Händlerin Sennfeld bei Schweinfurt. Gut sortiert (mit Ersatzteilen), gute Werkstatt, mit dem Werkstattmeister (Roland?) kann man super über seine kleinen technischen Problemchen reden und er gibt ein paar prima Reparaturtips. Als ich später für die R100 einen Schaltplan der Elektrik suchte, hat er mir ohne weiteres eine Kopie aus dem Werkstatthandbuch mitgegeben. Auf jeden Fall: Danach noch eine Runde über Schwebheim, Röthlein, Richtung Grafenrheinfeld gemacht. Und wie es so gekommen ist, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall bin ich dann in der leichten Linkskurve nach Röthlein volle Kanne in den Graben gerutscht. Ich konnte mich glücklicherweise von der BMW trennen. Diese machte einen Prima Überschlag. Nach dem Schock stand ich erst mal auf, schaltete den Motor aus und wuchtete die Kuh wieder auf die Räder. Dann hab ich tief Luft geholt mir die Schäden angeschaut und mich selber verwünscht. Schäden: Lenkeranschlag abgerissen, Armaturen zerschlagen, Tank verbeult und ein Loch rechts, Lenker verbogen, linker Auspufftopf abgerissen. Na prima. Ein Handwerker mit Lieferwagen hat das ganze beobachtet, hielt auch gleich an und fragte ob er mir irgendwie helfen könnte. Der brachte mich dann zu meinem Bruder in Grafenrheinfeld. Norbert verarztete mich erst mal. Anschließend besuchten wir die Unfallstelle, er fuhr dann die Maschine nach Hause (Trotz aller Schäden!), ich fuhr mit seinem Auto hinterher. Der Helmverschluß hatte eine böse Schnittwunde hinterlassen. Die wurde später vom Hausarzt noch vernäht. Meine Schulter fühlte sich an, als ob ein Elefant draufgetreten wäre, und in meinem Kopf schwirrte ein ganzer Bienenschwarm. Nach dem ich mich leidlich auskuriert hatte, machte ich mich an die BMW. Zwei Wochen später und 1600 DM ärmer konnte ich wieder fahren. Was blieb war mein angeknickter Stolz und eine höllische Angst vor jeder kleinen Linkskurve. Rechtskurven fahr ich seit dem schneller als Linkskurven.

Die Geschichte geht noch weiter. Aber wie es dazu kommt, das ich inzwischen eine R60/6 und eine R100 besitze, kann ich nicht an einem Abend in die Tasten klimpern. Also schaut mal wieder vorbei. Als Entschädigung hier mal vorerst ein Bild von meiner Neuen:

R100 Basis Baujahr:1982

To be Continued.

erstellt am 7.12.1999, erweitert am 13.03.2000, von Stefan Lieblein